Piratenpartei AG Zukunft – Oli.F. schreibt: Der „Cannabis-Pass“ – Konsum dokumentieren, Risiken erkennen, Beratung ermöglichen
Piratenpartei AG Zukunft – Oli.F. schreibt:
Der „Cannabis-Pass“ – Konsum dokumentieren, Risiken erkennen, Beratung ermöglichen
Cannabis ist für uns nicht nur eine Frage von Verbot oder Legalisierung. Wir wollen darüber sprechen, wann, wie häufig und unter welchen Umständen Cannabis konsumiert wird – und welche gesundheitlichen Risiken damit verbunden sein können.
Deshalb bringen wir die Idee eines Cannabis-Passes für alle Cannabis-Konsumierenden in die Diskussion.
Was soll der Cannabis-Pass sein?
Der Cannabis-Pass soll kein Strafregister und keine Grundlage für eine gesellschaftliche Ausgrenzung von Konsumierenden sein. Unsere Idee ist vielmehr ein freiwilliges Instrument für Dokumentation, Aufklärung und Beratung.
Konsumierende könnten darin beispielsweise festhalten, wie häufig sie Cannabis konsumieren, ob Probleme oder unerwünschte Wirkungen aufgetreten sind und wann eine gesundheitliche oder suchtpräventive Beratung stattgefunden hat.
Dabei muss der Datenschutz an erster Stelle stehen. Gesundheits- und Konsumdaten dürfen nicht einfach für Arbeitgeber, Behörden, Versicherungen oder andere Dritte zugänglich werden.
Besonders wichtig: Cannabis in jungen Jahren
Wir wollen stärker darüber aufklären, dass Cannabis für Jugendliche und junge Erwachsene besondere Risiken mit sich bringen kann.
Das Gehirn entwickelt und reift bis ins junge Erwachsenenalter weiter. Deshalb sind junge Menschen gegenüber den Auswirkungen von Cannabis besonders empfindlich. Früher und insbesondere regelmäßiger oder intensiver Konsum kann mit gesundheitlichen und psychischen Risiken verbunden sein.
Wir wollen deshalb nicht behaupten, dass der Kopf durch Cannabis einfach „ausgeschaltet“ wird. Das wäre medizinisch zu pauschal. Aber Cannabis kann unter anderem Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit beeinflussen. Gerade bei jungen Menschen sollte deshalb Prävention vor Verharmlosung stehen.
Kiffen trotz Kopfverletzung? Erst medizinisch abklären!
Besonders kritisch sehen wir Cannabis, wenn gleichzeitig eine Kopfverletzung, Gehirnerschütterung oder andere neurologische Beschwerden bestehen.
Eine berauschende Wirkung kann Symptome und die eigene Wahrnehmung verändern. Wer nach einer Kopfverletzung Beschwerden hat, sollte deshalb nicht versuchen, diese mit Cannabis zu überdecken, sondern die Verletzung medizinisch abklären lassen.
Ein Cannabis-Pass könnte hier einen einfachen Hinweis enthalten:
-Kopfverletzung + Cannabis = nicht einfach weiterkiffen. Beschwerden ernst nehmen und medizinischen Rat suchen.
-Cannabis und psychische Gesundheit
Auch das Thema Psychosen und Schizophrenie gehört für uns zu einer offenen Cannabis-Aufklärung.
Cannabis verursacht nicht automatisch Schizophrenie. Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Risiko psychotischer Erkrankungen, wobei unter anderem frühes Einstiegsalter, häufigerer Konsum und THC-Stärke eine Rolle spielen können.
Deshalb soll unser Cannabis-Pass kein angebliches Heilmittel „gegen Schizophrenie“ sein. Das wäre ein falsches medizinisches Versprechen.
Er soll vielmehr helfen, Warnzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig Beratung zu bekommen.
Wer nach dem Konsum beispielsweise starke Angst, Verfolgungsgefühle, ungewöhnliche Wahrnehmungen, Stimmen oder einen deutlichen Verlust des Realitätsbezugs erlebt, sollte den Konsum unterbrechen und professionelle medizinische Hilfe suchen.
-Beratung statt Wegsehen
Unsere Idee wäre deshalb:
Cannabis-Pass – Information, Dokumentation und Beratung aus einer Hand.
Denkbar wäre eine freiwillige Ausgabe oder Beratung über Apotheken beziehungsweise andere qualifizierte Gesundheits- und Suchtberatungsstellen. Welche Rolle Apotheken dabei rechtlich übernehmen könnten, müsste allerdings fachlich und gesetzlich geklärt werden.
Der Pass könnte beispielsweise Raum bieten für:
-freiwillige Dokumentation des eigenen Konsums,
-Datum einer Beratung,
-Hinweise zu THC und möglichen Risiken,
-Wechselwirkungen mit Medikamenten,
-Warnhinweise bei psychischen Auffälligkeiten,
-Informationen zu Kopfverletzungen und anderen gesundheitlichen -Problemen,
-Kontaktdaten professioneller Beratungsstellen,
-Hinweise darauf, wann ärztliche Hilfe sinnvoll oder dringend notwendig ist.
-Unser Ziel: Aufklärung statt Verharmlosung
Wir wollen Menschen, die Cannabis konsumieren, nicht abstempeln. Gleichzeitig wollen wir gesundheitliche Risiken nicht kleinreden.
Ein Cannabis-Pass könnte ein Instrument sein, mit dem Konsumierende ihren Konsum bewusster betrachten und schneller erkennen können:
Wie oft konsumiere ich eigentlich? Wie geht es mir damit? Hat sich mein Konsum verändert? Gibt es Warnzeichen? Wann habe ich zuletzt mit einer Fachperson darüber gesprochen?
Aus einem Cannabis-Pass soll deshalb kein „Kiffer-Ausweis“ werden.
Er soll ein Präventionspass sein.
Ein Pass, der nicht sagt: „Du darfst konsumieren.“
Sondern einer, der fragt:
„Geht es dir mit deinem Konsum noch gut?“
Piratenpartei AG Zukunft – Oli.F. schreibt
Cannabis ernst nehmen. Konsum dokumentieren. Risiken erkennen. Beratung ermöglichen. Gesundheit schützen.
